Zwei Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg besichtigte die Klasse 8a am Donnerstag, den 16. April 2026, in Kassel: den Reichsbahnbunker und den Viktoriastollen, beide in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofes.
Der Reichsbahnbunker, einer von acht Hochbunkern in Kassel, der seine zwei Meter dicken Betonmauern hinter einer unverdächtigen Mehrfamilienhausfassade versteckt, war ausschließlich hohen Beamten der Deutschen Reichsbahn zugänglich und sollte den reibungslosen Ablauf der Bahnlogistik auch unter schwerem Beschuss sicherstellen. Durch einen 80 m langen unterirdischen Tunnel konnten die Bahnangestellten den Bunker direkt von der Reichsbahnhauptverwaltung erreichen. Bereits Stunden vor dem offiziellen Alarm, mit dem die normale Bevölkerung gewarnt wurde, wussten sie von den bevorstehenden Angriffen.
Anders war der Viktoriastollen, einer von zwei unterirdischen Bunkern, der sich in bis zu 14 m Tiefe unter der heutigen katholischen Privatschule Engelsburg erstreckt, der Öffentlichkeit zugänglich. Trotz massiver Investitionen in den Bunkerbau im 3. Reich gab es lediglich für 10% der Bevölkerung einen Platz in den Schutzräumen. Mit Helm und Taschenlampe ausgerüstet, erkunden die 22 Schüler die pechschwarzen labyrinthartigen Tonnengewölbe, in denen bis zu 600 Menschen Schutz fanden, sehen die notdürftigen Eimer-Toiletten und die Sanitätsstation. Ein Zeitzeuge erinnert sich an die Hektik und das Chaos, als die Menschen angesichts der den Nachthimmel über Kassel erhellenden sogenannten Christbäume, die vom unmittelbar bevorstehenden Bomberangriff zeugten, in den Bunker drängten. Ohne Rücksicht auf den Nebenmann galt es nur noch in die rettenden unterirdischen Tunnel zu kommen. Dabei entschied der Bunkerwart an der Schleuse, durch die mittels Überdruck das Eindringen schädlicher Gase verhindert werden konnte, über Leben und Tod.
Der Angriff erfolgte in drei Wellen, erläutert unser Guide Herr Hoffmann von den Vikonauten, die die historischen Touren in Kassels Untergrund anbieten. Die erste Welle setzte die Zielmarkierungen, die zweite Welle schmiss Bomben ab, die enorme Druckwellen erzeugten, um Fenster und Türen zum Bersten zu bringen sowie Dächer abzudecken, damit die Brandbomben der dritten Welle maximalen Schaden anrichten konnten. „Ihr seid die nächste Generation, die die Zukunft gestaltet. Sorgt dafür, dass wir nie wieder Bunker wie diese benötigen!“, entlässt der Guide die sichtlich beeindruckten Achtklässler.
Viola Wittig und Christin Raßmann
