Förderung naturwissenschaftlicher Talente

Mit den Programmen „Chemie – Nanotage“ und „Physik – Die Basiswissenschaft für Zukunftstechnologien von morgen“ eröffnet die Universität Kassel engagierten Schülerinnen und Schülern spannende Einblicke in aktuelle Forschungsfelder der Naturwissenschaften.

Um einen persönlichen Eindruck von den Veranstaltungen zu vermitteln, berichten unsere beiden SchülerInnen Joleen Kupsch und Valentin Motyl (beide EF) im folgenden Interview von ihren Erfahrungen und Eindrücken vor Ort.

Was hat euch in den ersten Tagen an der Universität Kassel besonders überrascht oder beeindruckt?

Joleen: Am Anfang wirkte der Campus auf mich ehrlich gesagt ziemlich unübersichtlich, weil viele Gebäude ähnlich aussehen. Deshalb war es am Anfang sehr hilfreich, dass uns Studierende begleitet und zu den einzelnen Programmpunkten geführt haben. Nach kurzer Zeit hat man aber gemerkt, dass der Campus eigentlich gar nicht so groß ist und man sich schnell zurechtfindet.

Besonders positiv fand ich die Atmosphäre an der Universität. Alles wirkte sehr familiär und persönlich. Man hatte das Gefühl, dass sich viele kennen und viel miteinander gearbeitet wird. Auch der Kontakt zwischen Studierenden und Dozierenden war sehr offen und freundlich. Dadurch wirkte das Studium deutlich nahbarer, als ich es mir vorher vorgestellt hatte.

Valentin: Mich hat vor allem die technische Ausstattung beeindruckt. Obwohl die Universität Kassel keine riesige Universität ist, waren die Labore und die Forschungseinrichtungen sehr modern. Besonders spannend fand ich die Arbeit mit Kristallen und Kristallgittern. Uns wurde erklärt, wie solche Strukturen zum Beispiel in LEDs oder in Computertechnik eingesetzt werden. Dadurch hat man gemerkt, dass dort an sehr aktuellen Themen geforscht wird und die Verbindung zwischen Wissenschaft und moderner Technologie wirklich groß ist.

Wie hilfreich war euer Vorwissen aus der Schule in den Seminaren?

Joleen: Das war unterschiedlich. In Physik hatten wir in der Schule bisher eher klassische Themen wie Elektronik oder Mechanik behandelt. Im Seminar ging es dagegen viel stärker um Lasertechnik, Nanotechnologie oder moderne physikalische Anwendungen. Deshalb war vieles neu für mich. Trotzdem hatte ich nie das Gefühl, komplett den Anschluss zu verlieren,

weil die Inhalte wirklich verständlich erklärt wurden. Fachbegriffe wurden erklärt und wenn jemand etwas nicht verstanden hat, wurde darauf eingegangen.

In den chemischen und biologischen Anteilen konnte ich dagegen häufiger Verbindungen zum Unterricht herstellen. Gerade dadurch wurde deutlich, wie eng die verschiedenen naturwissenschaftlichen Bereiche eigentlich miteinander zusammenhängen.

Valentin: Ich würde das ähnlich sehen. Manche Grundlagen aus der Schule waren hilfreich, aber viele Themen gingen deutlich darüber hinaus. Besonders spannend fand ich die Einblicke in Quantenphysik und Quantencomputer. Das hatten wir im Unterricht bisher kaum behandelt. Trotzdem wurde erklärt, wie Quantencomputer grundsätzlich funktionieren und warum sie sich von normalen Computern unterscheiden. Das war zwar anspruchsvoll, aber gleichzeitig unglaublich interessant, weil man einen Eindruck davon bekommen hat, womit heute tatsächlich geforscht wird.

Welche Inhalte oder Programmpunkte sind euch besonders in Erinnerung geblieben?

Joleen: Sehr spannend fand ich die Nanotechnologie, weil dort viele Fachbereiche zusammenkommen. Uns wurde gezeigt, wie Physik, Chemie, Biologie und Technik gemeinsam genutzt werden, um Probleme zu lösen oder neue Produkte zu entwickeln.

Ein Beispiel, das mir besonders im Kopf geblieben ist, war ein Experiment aus der Lasertechnik. Dabei ging es darum, Moleküle mithilfe von Lasern zu verändern beziehungsweise umzudrehen. Kurz zuvor hatten wir in Biologie über Medikamente gesprochen und darüber, dass sich manche Moleküle nach links, andere nach rechts drehen und so unerwünschte Nebenwirkungen verursachen können. Das Beeindruckende daran war, dass man mithilfe der Lasertechnik die Moleküldrehrichtung ändern konnte.

Valentin: Für mich war die Lasertechnik definitiv eines der Highlights. Wir konnten selbst kleine Versuche durchführen und dadurch vieles besser nachvollziehen. Außerdem gab es einen Science Slam, bei dem wissenschaftliche Themen auf eine lockere und humorvolle Art erklärt wurden. Das war nicht nur unterhaltsam, sondern hat auch gezeigt, dass Wissenschaft nicht immer trocken sein muss.

Auch die Möglichkeit, an einer echten Vorlesung teilzunehmen, fand ich spannend. Dadurch konnte man einmal erleben, wie sich ein Studium tatsächlich anfühlt.

Hat euch das Seminar bei eurer Studienorientierung weitergeholfen?

Valentin: Ja, auf jeden Fall. Vor dem Seminar war ich mir noch nicht sicher, ob ich später wirklich Physik studieren möchte. Durch die vielen Einblicke habe ich aber gemerkt, dass Physik viel mehr ist als das, was man aus der Schule kennt. Gerade die modernen Themenbereiche fand ich extrem spannend. Deshalb hat mir das Seminar auf jeden Fall mehr Klarheit gegeben.

Joleen: Für mich war vor allem wichtig, einmal einen realistischen Eindruck vom Universitätsleben zu bekommen. Außerdem fand ich es spannend zu sehen, wie eng die verschiedenen naturwissenschaftlichen Bereiche zusammenarbeiten. Das Seminar hat mir auf jeden Fall Motivation gegeben, mich weiter mit solchen Themen zu beschäftigen und offen für verschiedene Richtungen zu bleiben.

Wie war das gemeinsame Abendprogramm und die Zeit außerhalb der Seminare?

Joleen: Das Abendprogramm war eigentlich eine richtig gute Ergänzung zu den Seminaren. Nach dem offiziellen Teil hatten wir die Möglichkeit, mit Professorinnen, Professoren und Studierenden noch einmal ganz entspannt ins Gespräch zu kommen. Zuerst gab es eine gemeinsame Fragerunde, in der viele Dinge angesprochen wurden, die uns interessiert haben – zum Beispiel verschiedene Studiengänge, der Aufbau des Studiums oder auch spätere Berufsmöglichkeiten.

Danach wurde das Ganze noch persönlicher, weil die Studierenden und Dozierenden einfach durch die Gruppen gegangen sind und sich mit uns unterhalten haben. Dadurch konnte man viel offener Fragen stellen, die man sich in einer großen Runde vielleicht nicht getraut hätte. Gerade diese Gespräche haben mir sehr geholfen, weil man einen viel realistischeren Eindruck vom Studium bekommen hat.

Valentin: Man hat auch schnell gemerkt, dass alle Teilnehmenden ähnliche Interessen hatten. Viele haben wirklich für Physik, Chemie oder allgemein Naturwissenschaften gebrannt. Dadurch kam man schnell ins Gespräch und hat neue Kontakte geknüpft. Niemand war irgendwie allein unterwegs, sondern man hat sich relativ schnell als Gruppe zusammengefunden.

Auch die Zeit in der Mensa oder später in der Jugendherberge gehörte irgendwie zum Erlebnis dazu. Dort konnte man die Eindrücke vom Tag noch einmal gemeinsam besprechen. Insgesamt war das zwar teilweise auch anstrengend, weil ständig etwas los war und man viele neue Eindrücke bekommen hat, aber genau das hat die zwei Tage auch besonders gemacht.

Joleen: Ich fand außerdem schön, dass man dadurch nicht nur die Universität kennengelernt hat, sondern auch ein bisschen den Alltag von Studierenden erleben konnte. Das gemeinsame

Essen, die Gespräche am Abend und das Zusammenleben für zwei Tage haben das Ganze viel persönlicher gemacht und dafür gesorgt, dass man sich schnell wohlgefühlt hat.

Würdet ihr das Kompaktseminar weiterempfehlen?

Joleen: Definitiv. Besonders für Schülerinnen und Schüler, die sich für Naturwissenschaften interessieren, ist das eine tolle Möglichkeit, einmal echte Uni-Luft zu schnuppern. Man lernt nicht nur fachlich viel, sondern bekommt auch einen Eindruck davon, wie Forschung und Studium tatsächlich aussehen.

Valentin: Ich würde das Seminar ebenfalls klar weiterempfehlen. Man bekommt spannende Einblicke in aktuelle Forschung, kann mit Studierenden und Professoren sprechen und lernt viele neue Leute kennen. Vor allem hilft es dabei, sich besser vorzustellen, wie ein Studium in den Naturwissenschaften später aussehen könnte.

Vielen Dank für das nette Gespräch!

Das Interview führte: Fabian Krug