Mit einer eindrucksvollen Gedenkveranstaltung erinnerte das Gymnasium Marianum an das Attentat vom 20. Juli 1944 und insbesondere an seinen ehemaligen Schüler Josef Wirmer. Die Veranstaltung machte deutlich, dass die Auseinandersetzung mit dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus nicht allein der Erinnerung dient, sondern jungen Menschen Orientierung für die Herausforderungen der Gegenwart geben kann.

Eröffnet wurde die Feierstunde durch Schulleiter Herrn Scholle. Musikalisch umrahmte Michael Stamm die Veranstaltung mit Johannes Brahms Rhapsodie in g-Moll op. 79 Nr. 2. Im Anschluss würdigte Bürgermeister Tobias Scherf in seiner Ansprache Josef

Wirmer als überzeugten Demokraten und mutigen Widerstandskämpfer, dessen Einsatz für Freiheit, Menschenwürde und Rechtsstaatlichkeit bis heute Vorbildcharakter besitzt. Einen weiteren musikalischen Akzent setzten Ida, Klara, Hannah und Amely mit Dietrich Bonhoeffers Vertonung „Von guten Mächten wunderbar geborgen“.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Beiträge der Schülerinnen und Schüler. Romy Gerzen schlüpfte in die Rolle Josef Wirmers und stellte dessen Lebensweg vor. Sie erinnerte daran, dass Wirmer nach seinem Abitur am Marianum Rechtswissenschaften studierte, sich politisch in der Zentrumspartei engagierte und sich früh gegen die Ideologie des Nationalsozialismus stellte. Trotz der Gefahr für sich und seine Familie blieb er seinen Überzeugungen treu und beteiligte sich am Widerstand gegen das NS-Regime. Seine Entschlossenheit kostete ihn schließlich das Leben.

Anschließend verdeutlichte Mia Henkenius, dass Josef Wirmer nicht nur eine historische Persönlichkeit sei, sondern auch heute Orientierung geben könne. Unter dem Leitgedanken „Eine Stadt – eine Schule – im Dialog mit einem ihrer Söhne“ entwickelten Schülerinnen und Schüler (Thea Walter, Hanna Michels, Leonie Brakhane, Melina Krämer, Jana Beine, Johanna Müller, Carla Bellermann) szenische Dialoge, in denen aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen mit den Werten Josef Wirmers verbunden wurden.

Dabei ging es um Antisemitismus in den sozialen Medien, Mobbing im Schulalltag, die Verletzung von Menschenrechten sowie den Umgang mit nationalsozialistischen Symbolen und Liedern im Internet und im öffentlichen Raum. In den Gesprächen antwortete die von Romy dargestellte Figur Josef Wirmers auf die Fragen der Jugendlichen und machte deutlich, dass Zivilcourage bedeutet, Haltung zu zeigen, Verantwortung zu übernehmen und Unrecht nicht schweigend hinzunehmen. Immer wieder stand die Botschaft im Mittelpunkt, dass Mut nicht die Abwesenheit von Angst sei, sondern die Entscheidung, trotz der Angst das Richtige zu tun.

Die Schülerinnen und Schüler machten deutlich, dass demokratische Werte nicht selbstverständlich sind. Sie zeigten auf, wie jede und jeder Einzelne im Alltag gegen Ausgrenzung, Diskriminierung und Hass eintreten kann – sei es in der Schule, im Freundeskreis oder in den sozialen Medien. Damit schlugen sie eine eindrucksvolle Brücke zwischen den Erfahrungen des Widerstandskämpfers Josef Wirmer und den Herausforderungen der Gegenwart.

Den Abschluss bildeten die Worte von Sophia Beine und Helena Rogge. Sie erinnerten an das Zitat, das auf dem Grabstein Josef Wirmers in Warburg steht: „Tief im Menschen ruht etwas Unbezwingliches“ und spannten den Bogen von Wirmers Lebenswerk zu den aktuellen Aufgaben einer demokratischen Gesellschaft. Demokratie, Freiheit und Menschenwürde, so ihre Botschaft, lebten davon, dass Menschen Verantwortung übernehmen und sich entschieden gegen Extremismus, Hass und Gleichgültigkeit stellen.

Im Anschluss an die Feierstunde begaben sich alle Teilnehmenden gemeinsam zur Josef-Wirmer-Gedenksäule. Begleitet von Pachelbels Canon legten sie dort einen Kranz nieder und gedachten des ehemaligen Marianers, der für seine Überzeugungen sein Leben ließ.

Die Veranstaltung machte eindrucksvoll deutlich, dass Erinnerungskultur weit mehr ist als der Blick in die Vergangenheit.

Alexandra Dittmeier